Auf dem Bike für schwer kranke Kinder
Wenn Jill Breutmann von ihrem Herzensprojekt erzählt, ist die Begeisterung kaum zu überhören. Ihre Stimme wird lebhaft, sobald sie von Motorradfahrern, gemeinsamen Ausfahrten und vor allem von denen spricht, denen sie mit „Ride for Little Heroes“ helfen möchte. Gemeinsam mit ihrem Team will die begeisterte Motorradfahrerin Spenden für die Kinderhospizarbeit sammeln und schwer erkrankten Kindern besondere Wünsche erfüllen.
Was zunächst als Idee begann, entwickelte innerhalb weniger Wochen eine erstaunliche Dynamik. Breutmann brachte Motorradfahrer zusammen, die ihre Leidenschaft auf zwei Rädern mit einem guten Zweck verbinden wollen. Aus der zunächst vor allem digitalen Gemeinschaft werden inzwischen ganz konkrete Aktionen: Die erste große gemeinsame Ausfahrt steht bereits kurz bevor.
Alles startete mit einem Aufruf
Begonnen hat alles mit Breutmanns Wunsch, die Arbeit von Kinderhospizen stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. „Manche Menschen wissen nicht einmal, was das ist“, sagt sie und klingt noch immer erstaunt. Gleichzeitig sei die Biker-Community gut vernetzt und biete die Chance, dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Den entscheidenden Anstoß, aus der Idee tatsächlich ein eigenes Projekt zu machen, gab schließlich eine Freundin. „Sie hat mir einen Link zu einer Aktion geschickt, bei der einem Kind geholfen werden sollte.“
Für Breutmann stand schnell fest: So etwas möchte sie ebenfalls auf die Beine stellen. Mit einigen Beiträgen in den sozialen Medien startete sie einen Aufruf für „Ride for Little Heroes“. Innerhalb einer Woche erreichte sie damit rund 1.600 Menschen. Dabei kam ihr auch ihr eigenes Netzwerk zugute: Breutmann betreibt einen Imbiss in Wald-Michelbach, den regelmäßig Motorradfahrer ansteuern. „Das ist natürlich einfacher, als wenn man bei null anfängt“, sagt sie. Am 30. August 2026 fand dort, im Biergarten ihres Imbisses, das erste offizielle Treffen der Initiative statt.
Künftig soll der Ort eine zentrale Rolle spielen. „Das wird unser Haupttreff“, sagt Breutmann.
Noch ist „Ride for Little Heroes“ kein eingetragener Verein. Das soll sich jedoch bald ändern. Die nötigen Schritte sind bereits in die Wege geleitet. Mit der Vereinsgründung wollen Breutmann und ihr Team auch Spendenaktionen und Kooperationen mit Sponsoren auf eine feste Grundlage stellen. Interessenten gibt es bereits einige, verrät die Gründerin. Zudem ist ein Onlineshop in Arbeit, über den künftig Pullover, Teddys und Patches mit dem Logo der Initiative erhältlich sein sollen.
Eine erste große Ausfahrt in NRW
Wie groß die Resonanz inzwischen ist, zeigt ein Blick in die WhatsApp-Gruppen, über die sich die Gemeinschaft derzeit organisiert. Rund 400 Biker sind dort vertreten. Hinzu kommen zahlreiche Menschen, die über die sozialen Medien Kontakt aufgenommen und ihre Unterstützung angeboten haben. „Alles in allem sind es vielleicht 1.400 Menschen, die bei der Aktion mitmachen“, schätzt Breutmann. Eine interaktive Karte auf der Internetseite zeigt, wie weit das Netzwerk reicht: Die Unterstützer kommen aus ganz Deutschland.
Ein Teil von ihnen trifft sich am Samstag, 19. September 2026, in Nordrhein-Westfalen zur ersten großen gemeinsamen Ausfahrt.
Auslöser dafür war die Nachricht einer Mutter, die sich direkt an Breutmann gewandt hatte. Ihre 15-jährige Tochter habe bereits zwei Suizidversuche hinter ich und den Wunsch geäußert, einmal auf einem Motorrad mitzufahren.
Für Breutmann war schnell klar, dass sie diesen Wunsch erfüllen möchte. Sie rief zu einer gemeinsamen Ausfahrt auf – und innerhalb kürzester Zeit sagten rund 50 Biker ihre Teilnahme zu. „Es hätten noch viel mehr mitgemacht, aber wir mussten es ein bisschen begrenzen“, erzählt sie. Mit einem Teddy und einem eigens angefertigten Pullover mit dem Logo der Gruppe wollen die Motorradfahrer am Samstag bei der Jugendlichen eintreffen. Für Breutmann ist die Aktion schon im Vorfeld etwas Besonderes. „Ich bekomme total Gänsehaut, wenn ich darüber rede“, sagt sie. „Es ist toll, dass wir solche Aktionen umsetzen können.“
Zusammenarbeit klappt sehr gut
Doch die Fahrt soll erst der Anfang sein. Für das kommende Jahr ist bereits ein großer Aktionstag geplant. Am 6. Juni soll auf dem Parkplatz vor dem Globus-Markt in Weinheim ein Familienfest stattfinden. Livebands werden auftreten, für Kinder sind unter anderem Hüpfburgen vorgesehen. Einer der Höhepunkte soll eine große Motorradausfahrt werden. Rund 600 Fahrer haben sich dafür bereits angemeldet, sagt Breutmann – und sie rechnet mit weiteren Teilnehmern.
Dass sich ein Projekt und ein Verein dieser Größenordnung nicht allein organisieren lässt, war Breutmann schnell klar. Deshalb steht ein festes Organisationsteam hinter ihr. Dazu gehören die Heilpraktikerin Melanie Lorbach, Entwicklungshelfer Lukas Wolfheimer, Torsten Schmidt, genannt „Torte“, der sich um die Motorradtouren kümmert, sowie Breutmanns beste Freundin Kathrin Falter, die die Finanzen im Blick behält. „Die Zusammenarbeit klappt sehr gut“, sagt die Gründerin.
Überhaupt sei die Hilfsbereitschaft innerhalb der Gemeinschaft enorm. Wer neu in die WhatsApp-Gruppen aufgenommen wird, kann sich in eine Liste eintragen und angeben, auf welche Weise er das Projekt unterstützen möchte – ganz nach eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten. „Die Hilfsbereitschaft ist einfach genial“, sagt Breutmann.
Traum vom jährlichen Aktionstag
An Ideen für die Zukunft mangelt es ihr nicht. „Vielleicht bin ich da auch ein bisschen größenwahnsinnig“, sagt sie und lacht. Als Vorbild nennt sie den „Distinguished Gentleman’s Ride“, eine internationale Benefizveranstaltung für Motorradfahrer. Bei dem Aktionstag fahren Biker in zahlreichen Städten weltweit gemeinsam und sammeln Spenden für die Prostatakrebsforschung und die psychische Gesundheit von Männern.
Etwas Vergleichbares kann sich Breutmann langfristig auch für „Ride for Little Heroes“ vorstellen. „Es wäre toll, einen Aktionstag zu haben, der jedes Jahr am gleichen Tag weltweit stattfindet.“
Zunächst aber soll die Initiative in Deutschland wachsen, Aufmerksamkeit für die Kinderhospizarbeit schaffen und Spenden für schwer erkrankte Kinder sammeln. Dafür hat Breutmann vor allem einen Wunsch: dass möglichst viele Menschen von der Aktion erfahren und sie weitertragen.
„Wir fahren alle zusammen für die kleinen Helden.“
Quelle: Odenwälder Zeitung

