Die letzte Kurve
Ein Sonntagsausflug, eine Linkskurve, ein Moment der Panik – und Menschen, denen ich bis heute dankbar bin.
Sonntag, 7. September 2025.
Eigentlich wollte ich an diesem Sonntag nur eines: mit meiner Indian Scout unterwegs sein und die Fahrt genießen.
Viele gemeinsame Geschichten hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Meine Scout war erst am 30. Juli 2025 zugelassen worden und hatte noch keine 500 Kilometer auf dem Tacho.
Ich war auf der Strecke von Wald-Michelbach in Richtung Kreidach unterwegs.
Ein fast neues Motorrad, ein Sonntagsausflug – eigentlich nichts Besonderes.
Um 14:59 Uhr änderte sich das.
Diese eine Linkskurve
Auf dem Weg Richtung Kreidach fuhr ich in eine Linkskurve und geriet dabei fast auf den Gegenfahrstreifen.
Was dann passierte, dauerte wahrscheinlich nur wenige Sekunden.
Ich bekam Panik.
Mein einziger Gedanke war: Ich muss zurück auf meine Fahrbahn.
Also lenkte ich nach rechts.
Das Problem dabei: Dort war die Leitplanke.
Und die hatte leider keinerlei Interesse daran, mir auszuweichen.
Dann ging alles sehr schnell.
Aus einem ganz normalen Sonntagsausflug war plötzlich ein Unfall geworden. Ich musste erst einmal begreifen, was gerade passiert war.
Plötzlich waren da Menschen
An vieles aus solchen Momenten erinnert man sich später wahrscheinlich anders als an eine normale Ausfahrt.
Was ich aber nicht vergessen habe, sind die Menschen, die angehalten und mir geholfen haben.
Ersthelfer sicherten die Unfallstelle ab und verständigten den Notruf.
Sie kümmerten sich um mich. Ich bekam einen Verband und etwas zu trinken.
Eigentlich ganz einfache Dinge.
Aber genau diese einfachen Dinge können in einem solchen Moment unglaublich viel bedeuten.
Da waren Menschen, die mich nicht kannten.
Und trotzdem hielten sie an.
Sie hätten weiterfahren können. Haben sie aber nicht.
Dafür bin ich ihnen bis heute dankbar.
Meine Weiterfahrt sah etwas anders aus
Irgendwann traf das DRK ein und übernahm.
Meine nächste Fahrt führte mich nicht auf meiner Indian weiter durch den Sonntagnachmittag, sondern mit dem Rettungsdienst in die Klinik Weinheim.
Die Scout blieb zurück.
Später stand fest: Totalschaden.
Erstzulassung am 30. Juli 2025. Keine 500 Kilometer gefahren. Und gerade einmal etwas mehr als fünf Wochen später war unsere gemeinsame Geschichte schon wieder vorbei.
Das tat weh – und damit meine ich an dieser Stelle ausnahmsweise nicht meine eigenen Blessuren.
Auf dieses Kapitel hätte ich wirklich gerne verzichtet.
Was mir davon geblieben ist
Natürlich habe ich später darüber nachgedacht, was passiert war.
Vor allem über diesen einen Moment.
Die Linkskurve.
Der Gegenfahrstreifen.
Die Panik.
Und meine Reaktion, nach rechts zu lenken.
Heute kann ich das ruhig aufschreiben.
In diesem Moment war daran überhaupt nichts ruhig.
Aber genau deshalb gehört auch diese Geschichte für mich hierher.
Nicht als Lehrstück darüber, wie andere Motorrad fahren sollen. Und auch nicht mit erhobenem Zeigefinger.
Es ist einfach meine Geschichte.
Eine Geschichte über einen Fehler, einen ziemlich abrupt beendeten Sonntagsausflug und eine Indian Scout, die noch nicht einmal 500 Kilometer gefahren war.
Vor allem ist es für mich aber auch eine Geschichte über Menschen.
Menschen, die anhielten.
Die absicherten.
Die den Notruf verständigten.
Die mir einen Verband anlegten und etwas zu trinken gaben.
Und die in einem Moment, in dem ich ihre Hilfe brauchte, einfach da waren.
Dafür möchte ich noch einmal etwas sagen, das viel wichtiger ist als alles andere in diesem Beitrag:
Danke.
Ich weiß nicht, ob einer meiner damaligen Helfer diese Zeilen jemals lesen wird.
Aber ich habe nicht vergessen, dass ihr angehalten habt.


