Indian Scout – vom Anfang bis heute
Teil 3 – Die Scout kehrt zurück
1953 war Schluss.
Die ursprüngliche Indian Motorcycle Company stellte die Motorradproduktion ein, und damit begann eine lange und ziemlich unruhige Zeit.
Der Name Indian verschwand zwar nie vollständig. Verschiedene Unternehmen versuchten über die Jahrzehnte immer wieder, die traditionsreiche Marke zurückzubringen.
Doch eine echte Rückkehr zu alter Stärke?
Darauf mussten Indian-Fans lange warten.
Sehr lange.
2011 – Polaris übernimmt Indian
Im Jahr 2011 änderte sich die Situation grundlegend.
Polaris Industries übernahm Indian Motorcycle.
Und Polaris war kein Unternehmen, das erst noch lernen musste, wie man Motorräder baut. Mit Victory hatte der Konzern bereits seit Jahren eine eigene Motorradmarke im Programm.
Diesmal sollte Indian nicht nur ein traditionsreicher Name auf irgendeinem Motorrad sein.
Die Marke sollte wieder richtig leben.
2013 präsentierte Polaris die ersten vollständig unter eigener Regie entwickelten Indian-Modelle: Chief Classic, Chief Vintage und Chieftain.
Indian war wieder da.
Aber ein wichtiger Name fehlte noch.
Scout.
Sturgis 2014
Mehr als 70 Jahre nach der klassischen Scout-Ära war es schließlich so weit.
Bei der Sturgis Motorcycle Rally 2014 stellte Indian die neue Scout für das Modelljahr 2015 vor.
Und Indian versuchte gar nicht erst, eine Scout von 1928 mit moderner Technik nachzubauen.
Das wäre wahrscheinlich auch ziemlich schwierig geworden.
Stattdessen nahm man die ursprüngliche Idee der Scout:
vergleichsweise leicht, niedrig, handlich und trotzdem kräftig.
Und übersetzte sie in ein modernes Motorrad.
Eine völlig neue Scout
Im Mittelpunkt stand ein neu entwickelter, flüssigkeitsgekühlter V-Twin mit 1.133 cm³.
Er leistete rund 100 PS.
Dazu kamen ein Sechsganggetriebe und ein Aluminiumrahmen.
Die Sitzhöhe betrug lediglich 643 Millimeter.
Fahrfertig brachte die Scout rund 255 Kilogramm auf die Waage.
Für einen amerikanischen Cruiser war das eine interessante Kombination:
Niedrige Sitzhöhe.
Relativ wenig Gewicht.
Ordentlich Leistung.
Und ein Fahrwerk, das nicht nur dafür gedacht war, möglichst eindrucksvoll vor der Eisdiele zu stehen.
Die Scout sollte gefahren werden.
Alt aussehen – ohne alt zu sein
Optisch spielte Indian bewusst mit der eigenen Geschichte.
Die niedrige Silhouette, der sichtbare V-Twin und das sogenannte „Rigid Triangle“ erinnerten an die klassischen Scouts.
Technisch hatte die neue Maschine mit einer Scout aus den 1920er-Jahren natürlich nur noch wenig gemeinsam.
Und das war auch gut so.
Flüssigkeitskühlung, Einspritzung, moderne Bremsen und ein zeitgemäßes Fahrwerk machten deutlich:
Hier stand kein Museumsstück.
Hier stand eine moderne Interpretation der Scout.
Vielleicht war genau das die richtige Entscheidung.
Indian hatte die Vergangenheit nicht kopiert.
Man hatte versucht, ihren Charakter zu übersetzen.
2016 – die Scout bekommt eine kleine Schwester
Lange blieb die Scout nicht allein.
Für das Modelljahr 2016 stellte Indian die Scout Sixty vor.
Der Name verriet bereits den wesentlichen Unterschied.
Statt 69 cubic inch arbeitete hier ein 60-cui-V-Twin mit 999 cm³.
Viele Komponenten teilte sie sich mit der großen Scout.
Die Sixty sollte den Einstieg in die Scout-Welt günstiger und zugänglicher machen.
Und damit begann etwas, das für die kommenden Jahre typisch werden sollte:
Aus der Scout wurde nach und nach eine ganze Familie.
Die Scout findet ihren Platz
Die moderne Scout bekam ihre eigene Rolle innerhalb der Indian-Modellpalette.
Unterhalb der großen Cruiser bot sie einen anderen Charakter.
Kompakter.
Leichter.
Sportlicher.
Und vielleicht auch ein bisschen frecher.
Damit war die Grundidee von Charles B. Franklin nach mehr als neun Jahrzehnten plötzlich wieder erstaunlich aktuell.
Natürlich lagen technisch Welten zwischen einer Scout von 1920 und einer Scout von 2015.
Aber die Idee dahinter war gar nicht so verschieden:
Ein Motorrad muss nicht möglichst groß sein, um Spaß zu machen.
Und dann wurde es dunkel
2017 bekam die Scout-Familie Nachwuchs.
Diesmal wurde nicht einfach der Hubraum verändert.
Indian nahm die Scout und gab ihr einen deutlich anderen Charakter.
Weniger Chrom.
Weniger klassischer Cruiser.
Mehr Schwarz.
Mehr Reduktion.
Mehr Bobber.
Die Scout Bobber war geboren.
Und sie sollte zu einem wichtigen Teil der modernen Scout-Geschichte werden.
Aus einem einzelnen wiederbelebten Modell war endgültig eine Modellfamilie geworden.
Die Scout war nicht nur zurück.
Sie war gekommen, um zu bleiben.
Doch nach rund zehn Jahren moderner Scout-Geschichte entschied Indian, dass es Zeit war, noch einmal ganz von vorne anzufangen.
Mit neuem Rahmen.
Neu entwickeltem Motor.
Mehr Technik.
Und einem Namen, den Scout-Fans seit 1928 nicht vergessen hatten:
101 Scout.
Weiter in Teil 4: Eine neue Generation
Beitragsbild: Indian Scout, Modelljahr 2015 – Foto: Kawijock / Wikimedia Commons – CC BY-SA 4.0, unverändert

